SATIREN :: Günther Rabl

Die wahre Geschichte von HUGO, dem singenden Roboter

Hugo, der singende Roboter

Hugo, der singende Roboter, ist ein Überbleibsel der grossen Marsexpedition 'Malinche' in den Jahren 1967-76. Die Expedition war eine selten einmütige Zusammenarbeit der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA mit der europäischen Schwesterorganisation ESA. Sie hatte das erklärte Ziel, Erdöl auf dem Mars zu finden, sowie Uran und eventuell auch Mikroben, aus denen sich mit gentechnischen Mitteln Konsumenten züchten lassen.
Den weitblickenden Wirtschaftsexperten hinter diesem Auftrag war es längst bewusst, dass es nicht genügt, Arbeitsplätze zu schaffen, um Dinge zu erzeugen, die niemand braucht. Damit die Wirtschaft so kerngesund bleibt, wie wir sie lieben, benötigt man auch immer mehr Konsumenten, die die Dinge, die niemand braucht, kaufen und wegwerfen.
Die Hoffnungen der Welt richteten sich auf diese Expedition. An Bord der Raumsonde befanden sich lediglich eine Sojabohne, ein Resusäffchen und ein Priester. (Dass auch eine Büchse mit Grippeviren mitgeführt worden sein soll, muss hingegen ins Reich der Phantasie verwiesen werden).

Es war einer der grössten Misserfolge, den die Geschichte der Raumfahrt je zu verzeichnen hatte. Nichts von alledem war zu entdecken: kein Tropfen Öl, kein Brösel Uran, nicht ein Mikröbchen ! Alles, was die Raumsonde nach siebenjähriger Reise vom Mars zur Erde zurückbrachte, waren ein paar wertlose Pflastersteine und ein singender Roboter, der unablässig seinen Namen wiederholte: 'Hugo'.
Die um ihre schönsten Hoffnungen betrogenen Wissenschaftler der NASA warfen den Roboter entäuscht auf den Müll.
Der Zufall wollte es, dass der amerikanische Jazztrompeter Hugh Rabl, wie so oft auf der Suche nach einem geeigneten Dämpfer für sein Instrument, gerade diese Müllhalde durchstreifte. Hugh hatte die dumme Angewohnheit, immer seinen Trompetendämpfer in Hotelzimmern liegen zu lassen - er konnte machen was er wollte. Einmal versuchte er es sogar mit einer Psychotherapie, aber ohne Erfolg. (Der behandelnde Psychiater wird seither oft auf Müllhalden angetroffen, wo er nach Trompetendämpfern sucht).
Hugh Rabl nahm sich des völlig verwahrlosten Roboters an und versuchte, ihn in seine Jazzcombo zu integrieren. Anlässlich einer Konzerttournee gelangte er solcherart nach Europa. Den älteren Wiener Jazzfans ist sicherlich noch die heftige Debatte in Erinnerung, die der singende Roboter ausgelöst hat: ob das noch Jazz sei; ob das überhaupt Musik ist; weil Musik doch aus dem Bauch kommen müsse, was bei einem Roboter nur schwer vorstellbar ist, etc.. Wie so oft behielten die Traditionalisten die Oberhand und Hugo geriet in Vergessenheit. Ein Versuch, ihn dem Technischen Museum anzubieten, wurde nicht einmal einer Antwort gewürdigt. Hugo landete schliesslich in der Rumpelkammer einer Künstlerwohngemeinschaft in der Nähe von Schönbrunn.
Bei der Renovierung der Räumlichkeiten im Juni 2004 wurde Hugo zum drittenmal entdeckt. Dieses mal geriet er in die richtigen Hände. ....
Interessantes Detail am Rande: Schon Edgar Varese muss von der Existenz des singenden Roboters gewusst haben (siehe 'Poeme Electronique', Minute 3:38)

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© Günther Rabl 2005
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