SATIREN :: Günther Rabl

ETYMOLOCH
Kleine etymologische Wirklichkeitskunde

Arbeitsplatz
(germ., arab., ital.) 'aar-beytz-piazza', wörtlich: der Ort an dem der Adler gebeizt wird.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts kam in Europa die Jägerei dermassen in Mode, dass kein Mensch mehr einen anderen Beruf ergreifen wollte, als den des Jägers. ('Grün, grün, grün ist alles was ich habe, da mein Schatz ein Jäger ist' - mit diesen weltberühmten Zeilen hat der international anerkannte Komponist Franz Xaver Gruber kritisch dazu Stellung bezogen).
Von Postkutschen aus, von Eisenbahnwaggons, von Fahrrädern und Motorrollern wurde auf alles geschossen, was sich in freier Wildbahn bewegt. Die Bisonherden, die Mammuts, die Dinosaurier wurden in diesen wenigen Jahrzehnten ein für allemal ausgerottet. (Der letzte noch lebende Saurier, ein argloser Pflanzenfresser, der sich nur von Kuckucksklee und Dotterblumen ernährte, wurde bekanntlich von Richard Wagner in Neuschwanstein erlegt, der ihn im Drachenwahn für den Riesen Fafner hielt!).
Wie zu erwarten, wurde dadurch der Wildbestand derartig dezimiert, dass ausser ein paar uninteressanten Hasen und Rehen (siehe >>Bambi) nichts mehr zu erbeuten war. Unter dem Druck der Jägerschaft, die damals im Europaparlament zu nahezu 100% vertreten war, liess sich Kaiserin Maria Taferl-Heferl schlussendlich dazu bewegen, auch das Wappentier, den Adler, zum Abschuss freizugeben.
Zu Tausenden hockten die Adler damals auf den Wiesen und Feldern und ernährten sich von in Milch eingeweichten Semmeln, die ihnen - den erklärten Wappentieren - von der freundlichen Landbevölkerung dargeboten wurden. (Eine Diät, die sich auch heute noch grosser Beliebtheit erfreut, aber fälschlicherweise den Azteken zugeschrieben wird).
Nun kamen auch sie auf die Abschussliste. Und da offenbarte sich ein ganz neues Problem: Die Adler erwiesen sich als absolut ungeniessbar ! Alle anderen Tiergattungen boten eine Fülle von Verwertungsmöglichkeiten. Wer erinnert sich nicht gerne an die saftigen Mammut-Steaks, an das Säbelzahngulasch, oder an die schicken Damenhandtaschen aus Saurierleder (die erst später durch billige Kroko-Imitate ersetzt wurden)!
Vom Adler dagegen war nichts zu gebrauchen. Ornithologisches Wunder, das er nun einmal ist (der einzige bekannte Vogel mit Vollschaftgefieder !), waren seine Federn nicht einmal als Schreibzeug zu verwenden, und sein Fleisch: so zähe, dass es nach wochenlangem Abliegen und tagelangem Kochen noch immer nicht zu beissen war.
Kaiserin Maria Taferl-Heferl liess daraufhin - auf Anraten ihres Gatten, des späteren Ministers für aussichtslose Angelegenheiten, Prof. Werner Heferl - die halbe damals bekannte Menschheit abkommandieren um das ungeniessbare Adlerfleisch zu pökeln und zu beizen. Eine eigene Stelle wurde dafür eingerichtet, der sogenannte 'Aar-Beiz-Plazz'.
Alles umsonst.
Nach monatelanger Behandlung wurde das Adlerfleisch zwar tatsächlich endlich mürb, hatte aber einen Haut-gout, der nichteinmal den hartgesottesten Landjunkern zumutbar war.
Diese Bemühung, den Adler verwertbar zu machen, gilt heute allgemein als eine der vergeblichsten Unternehmungen der gesamten älteren Jungsteinzeit (nur noch übertroffen durch das ehrgeizige, auf Dipl.Ing. Schicklgruber zurückgehende Projekt, zwecks Beschäftigung tatenloser Untertanen den Rhein mit dem Mississippi durch einen Kanal zu verbinden).
Seit damals steht der Begriff 'Arbeitsplatz' vor allem als Synonym für ein nutzloses Unterfangen inmitten einer sinnlosen Betriebsamkeit.

Ozonloch
(gäl.,schott.) 'ozon-loch', wörtlich 'angebrannter Dunst aus dem Sumpf', bezeichnet ursprünglich ein Feuer speiendes Seeungeheuer (vgl. auch das Ungeheuer von 'loch ness'). Es ähnelt in manchen Zügen einem >Basilisk<, mit dem hauptsächlichen Unterschied, dass sein Anblick nicht tötet, sondern nur Übelkeit verursacht.
(siehe auch: John Mc.Rable "All the Truth About the Ozon Loch", Devonshire 1882, S.1157 ff.)
Im heutigen Sprachgebrauch versteht man darunter eine Person, die aktiv einen kulturellen Klimawandel herbeiführen hilft, um sich dann selber darin einzunisten und alles Leben rundum mit heisser Luft zu belästigen.
Die Folgen der von Ozonlöchern bewirkten kulturellen Klimaveränderung werden allgemein als verheerend beschrieben: Manager und Politiker gebären monströse kulturelle Ideen; Designer, Werbegrafiker und Architekten liefern hohle kulturelle Projekte; Models und Medienikonen werden dem ahnungslosen Publikum als bedeutsame kulturelle Persönlichkeiten eingetrichtert und fressen sich unter Umständen jahrzehntelang fest.
Auch verehren die Ozonlöcher das >Wirrschaf< als höchste Gottheit und opfern ihm täglich arme, unschuldige Künstler.
Alle Versuche, Ozonlöcher mithilfe von aus Flugzeugen versprühten Argumenten unschädlich zu machen, müssen bis heute als gescheitert betrachtet werden.
( Anm: In kulturschaffenden Kreisen wird der Terminus neuerdings zunehmend als derbes Schimpfwort verwendet.)

Wirtschaft
(got., nhd.) eigentlich 'Wirr-Schaf'. Nach frühchristlicher Überlieferung: das Lamm Gottes in seiner letzten apokalyptischen Verwirrung, das in dem Wahn Gutes zu tun den sieben apokalyptischen Reitern hinterherläuft, um alles zu zertrampeln, was diese noch übrig gelassen haben.
Das Wirrschaf hält sich für den grössten Mathematiker aller Zeiten, weil es zusammenzählen und wegzählen kann. Es gilt auch unumstritten als Begründer der 'Irrelevanz-Theorie', die besagt, dass es völlig wurscht ist, ob die Rechnung stimmt oder nicht. (skr. 'vrshthi', nhd. 'werršt', got. 'wirrst').
Als das Wirrschaf einmal von einem entfernten Verwandten, dem Moloch, geneckt wurde, weil es so klein und pummelig ist, sagte es kein Wort, nahm sich aber fest vor zu wachsen um einmal so gross und stark zu werden wie jener. Seither frisst es wie besessen und erzählt jedem, ob man es hören will oder nicht, vom 'Wirrschafwachstum'.
Das Problem dabei ist nur, dass es nicht lange an einem Platz bleiben kann. Denn, wie alle Schafe, hinterlässt es in kürzester Zeit nur Wüste und Karst.
Sein bester Freund ist daher das 'Wiesen-Schaf' das sich viel darauf zugutehält, unablässig das gesamte Universum nach neuen Weideplätzen für das Wirrschaf abzusuchen. (siehe auch: Brief des Apostel Karlheinz an die Kärntner).
Das Wiesenschaf, das seit jeher einen Minderwertigkeitskomplex hinsichtlich seiner Existenzberechtigung hat, gewinnt dadurch einen Lebensinhalt und darf hin und wieder sogar etwas mitnaschen auf den von ihm entdeckten Weideplätzen.
Durch sein ständiges Bemühen um Wachstum ist das Wirrschaf allerdings schon so behäbig, dass es alleine überhaupt nicht mehr vom Fleck kommt. Es lässt sich nur mehr von einem Standort zum andern 'schieben'. Die dafür auserwählten Orte nennt man 'Wirrschafstandort'. Die Schiebung selber, eine schwierige Aufgabe, kann nur von furchtlosen Fachleuten mit einer einschlägigen Vergangenheit durchgeführt werden, sogenannten 'Wirrschaf-Experchten'.

Wahlversprechen
(germ., nhd.) 'wall-veršprähen', in der Bdtg. von 'etwas an die Wand sprühen', 'beschmieren', 'anschmieren'.
Umgangssprachlich wird der Begriff fälschlich für ein Versprechen anlässlich einer Wahl verwendet, was aber gar keinen Sinn gibt. (Siehe auch 'Wallfahrtsort' und 'Wahlfarceort').
Historisches: Die Forderung von Konsumentenschützern, alle leicht verderblichen Güter mit der Aufschrift "haltbar wie ein Wahlversprechen" zu kennzeichnen, konnte sich aus genannten etymologischen Einwänden nicht durchsetzen.

Grundgehalt
(mhd.) Verballhornung, basierend auf einer Anekdote aus dem Hochmittelalter.
Der Sage nach soll der deutsche (nach anderen Quellen: österreichische) Fürst Bertram der Vernagelte seine Untertanen mit absurdesten Arbeiten schikaniert haben.
Im Sommer mussten sie Schnee schaufeln und im Winter den Acker pflügen; wenn die Getreidekammern zum Bersten voll waren, mussten sie auf Gedeih und Verderb Roggen säen, waren sie leer, mussten sie unter Aufbietung aller Kräfte neue Getreidekammern bauen. Wer sich diesen Arbeiten verweigerte, um etwas sinnvolles oder einfach nichts zu tun, wurde streng bestraft, ging seiner ganzen Habseligkeiten verlustig und wurde an den Pranger gestellt.
Eines Tages soll sich ein Untertan beim Fürsten darüber beklagt haben, dass alles zugrunde geht, wenn man seinen Anweisungen folgt, dass man aber auch zugrunde geht, wenn man seinen Anweisungen nicht folgt. Der Fürst soll darauf nur lapidar geantwortet haben: "Dann geh halt z'Grund".
Derartige Starrköpfigkeiten seitens der Obrigkeit wurden das ganze Spätmittelalter hindurch als 'Zgrundgehhalt' bezeichnet. Durch die zwei grossen Lautverschiebungen (1633 und 1711) erlangte es schliesslich über 'Grunzgewalt' die heute übliche, auch durch die neue Rechtschreibreform bestätigte Schreibweise 'Grundgehalt'.

Bummelstudent
(engl., rom., lat.) Mischwort, eigentlich 'bum-elstiú-dent', wörtlich: 'die Rückseite am Zahn der Elster'.
Der Bezeichnung liegt die im ganzen Altertum verbreitete Vorstellung zugrunde, dass die Elster ihre Beute in der Rückseite eines hohlen Zahnes versteckt. Im übertragenen Sinne wurde damit ein Ort bezeichnet, an dem viele Schätze angehäuft sind. Später bezeichnete man damit auch Personen, die langsam, aber stetig, den geistigen und materiellen Reichtum der Welt vermehren helfen. (Zur Unterscheidung von sogenannten 'Spekulanten' oder 'Strebern', die ihr Hauptaugenmerk nur auf möglichst schnelle Karriere und raschen persönlichen Reichtum richten).

Bettelstudent
(ind., rum., lat.) Zusammenziehung aus vor., eine heute nicht mehr gebräuchliche Bezeichnung für Betel kauende Bummelstudenten.

 


© Günther Rabl 2007
Dieser Text versteht sich als literarisches Kunstwerk.
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