| DEMONTAGEN :: Günther Rabl |
WALDVIERTELFESTIVAL 2001 |
| Seit den ersten Diskussionen um das Viertelsfestival haben Kunstschaffende aus den
verschiedensten Bereichen immer wieder dringend gebeten, die in Aussicht gestellten Mittel vorerst für
eine systematische Bestandsaufnahme des künstlerischen Potentials der Region zu nutzen, um dann erst,
auf einer so gewonnenen Basis, ein repräsentatives Festival zu gestalten. Das Waldviertelfestival, wie
es sich heute darstellt, ist das Resultat der Missachtung solcher Bitte. Mit Kunst hat es längst nichts
mehr zu tun. Dass sich dennoch Kunstschaffende mit mehr oder weniger Erfolg um eine Teilnahme beworben
und Projekte eingereicht haben, ist eher als ein Zeichen kultureller Verzweiflung zu werten, die unter
aussichtslosesten Bedingungen noch Hoffnung schöpft. Wieder einmal erwarten Kunstenthusiasten (mit
Brotberuf) und Kulturbeamte (mit Fixgehalt) allen Ernstes von den ansässigen Kunstschaffenden, dass sie
auf Honorare verzichten, sich Sponsoren suchen und vielleicht auch noch die Organisation selber
durchführen, als ob sie nichts besseres zu tun hätten, als sich selbstaufopfernd an der bunten
Dekoration einer vor aller Augen substantiell verödenden Kulturlandschaft zu beteiligen. Überhaupt ist das Überhandnehmen einer von Beruf und Alltag losgelösten Kreativität alles andere als ein Grund zur Freude. Sie ist untrügliches Zeichen kultureller Dekadenz und daher eher ein Alarmsignal. Mit Kunst hat sie nichts gemein. Jede oberflächliche Ähnlichkeit ist reine perspektivische Vexation. Das Liebenswerte, das die kreative Einzelinitiative - wenn sie auch nicht gleich Kunst ist - dennoch an sich hätte, weicht aber der Beklemmung, die sich einstellt angesichts einer Bevölkerung, die bereitwillig auf Anregung ganze Landstriche mit Strohpuppen ausstaffiert : Wie, wenn wieder einmal einer kommt, der mit Hurra weniger harmlose Dinge empfiehlt ?? Zum Motto des Festivals 'mitanaund' : Die Schreibweise von Dialekten, für die kein Cyrill einen Zeichensatz entworfen hat, ist eine Gratwanderung, die Dichtern vorbehalten bleiben sollte. Zu peinlich wirkt Stolz auf sprachliche Eigenständigkeit gepaart mit blinder Unterwerfung unter die Phonetik einer Hochsprache, von der man sich eigentlich abheben möchte. Was bleibt, ist bestenfalls ein Jux. Aber auch in seiner bescheidenen inhaltlichen Botschaft war das Motto des Viertelsfestival von Anfang an umstritten und hat viele Kunstschaffende noch in der ersten Planungsphase abgestossen. Die "Antithese zum gesellschaftskonformen Einzelkämpfertum", wie es in einer Werbeeinschaltung des Festivals gar bezeichnet wird, ist wohl ein schlechter Scherz, geschmacklos, aber auch beleidigend und bedenklich, weil damit genau das Ressentiment und die Missgunst gegen autonomes Schaffen bestärkt werden, mit denen die schaffenden Kräfte in Kunst, Handwerk und Wissenschaft seit Jahrhunderten in der Tat im unvermeidlichen 'Einzelkampf' sich befinden.Von den Betreibern des Viertelsfestival, sowie von deren Auftraggebern, wäre demnach zumindest zu erwarten, dass sie offen dazu stehen, dass das Festival für Kunst nicht zuständig ist. Ansonsten geben sie ein falsches Alibi ab, das die eigentliche, dringend nötige Pflege des Kunstschaffens der Region noch zusätzlich behindert. © Günther Rabl 2001 |
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Verein Waldviertel-Festival 2001 |