DEMONTAGEN :: Günther Rabl

SCHNECKENPLAGE

Künstler sind bekanntlich nicht ganz dicht. Daher braucht es Kuratoren, die ihnen sagen, was sie dürfen und was nicht und die im Ernstfall auch das Publikum vor unerwünschter Kunst bewahren. Dazu eignen sich am besten Personen, die ihre Finger solang überall drin haben, bis sie allgemein für kompetent gehalten werden. Von dieser Sorte haben wir in Österreich nun schon beinahe mehr als gute Künstler. Es mangelt ihnen, im Gegensatz zu den guten Künstlern, nicht an Beschäftigung und sie finden überall bereitwillig Anstellung - in gar nicht wenigen Fällen überraschenderweise sogar als Künstler. Die 'Geschichte vom hässlichen Entlein' fällt einem dazu spontan ein, oder auch 'der Bock als Gärtner'. Aber beide Metaphern vermögen das Phänomen nicht zur Gänze zu fassen. Ach, wären es doch wenigstens Böcke ! Eher noch ähnelt ihr Charakter dem der Nacktschnecke: schleimig, langsam, unbeholfen, ohne festes Zuhause, wehrlos, schutzlos, keine Freunde, nicht einmal natürliche Feinde, bemitleidenswert und erbarmungswürdig.
Dennoch ist am nächsten Morgen der Salat weg.

 


© Günther Rabl 2001
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