| DEMONTAGEN :: Günther Rabl |
MUSIK AKTUELL |
| Es scheint etwas übertrieben, wenn der Leiter von 'Musik Aktuell' zweihundert
Musikschaffende, Komponistinnen und Komponisten, in Niederösterreich nennt, die er mit seiner Organisation
zu betreuen habe. Nicht jeder, der einmal Kuchen bäckt, ist deswegen gleich Konditor; nicht jeder,
der gelegentlich Töne setzt, ist deswegen gleich Komponist. Aber auch wenn man das Berufsbild der Musikschaffenden
(zeitgenössischer Musik, wohlgemerkt) präziser fasst, bleibt noch ein genügend grosser Personenkreis,
dem gegenüber die Mittel von Musik Aktuell beschämend gering sind, wenn sie, wie immer wieder
behauptet wird, die einzigen sind, die für das zeitgenössische Musikschaffen in Niederösterreich frei
zur Verfügung stehen können. Höchst problematisch aber ist die Konstruktion mit dem durch einen 'artist in residence' jeweils vorgegebenen Jahresthema. Man muss leider immer wieder darauf hinweisen, dass die Vorgabe von Themen in der Kunstförderung generell unstatthaft ist - eine Zumutung für die Künstler/innen, ein Affront gegen die verbriefte Autonomie des Kunstschaffens und aus dieser Sicht möglicherweise sogar verfassungswidrig. Die Künstler/innen einer Region sind keine Schulklasse, der man Themen vorgeben muss ! Und die besseren Künstler/innen sind diesbezüglich allemal die, die Kraft ihrer Autonomie das Thema ' verfehlen'. Schwerpunkt 'Schlagzeug' oder Schwerpunkt 'Stimme' scheinen ja wenigstens sachlich gerechtfertigt - solange es Schwerpunkte bleiben und nicht willkürliche Themenvorgaben, durch die Musikschaffende ausgeschlossen werden, die zufällig gerade nicht auf diesen Gebieten arbeiten oder arbeiten wollen. Unbegreiflich aber ist, wie man einem artist in residence den hundertsten Geburtstag seines Liebligsdichters als Jahresthema für die Förderung des Musikschaffens des Landes durchgehen lassen konnte ! Unbegreiflich, wie man einen Vertreter der kommerziellen Musikindustrie zum artist in residence machen konnte und ihm das Jahresthema 'Die heimliche Liebe der E-Musik zur U-Musik', das von vielen Kollegen/innen als purer Hohn aufgefasst wurde, durchgehen lassen konnte ! Unbegreiflich, wie man die Jubiläen längst verstorbener Komponisten aus den Mitteln für zeitgenössische Musik finanzieren kann, um sozusagen die Versäumnisse der Vergangenheit an den damals schaffenden Künstlern gutmachen zu versuchen, indem man genau solche Versäumnisse an den heute schaffenden begeht ! Dafür, dass an alledem ursprünglich etwas gut gemeint sein mochte, können die ernsthaft und autonom Musikschaffenden von hier und jetzt sich leider nichts kaufen. © Günther Rabl 2001 |
MUSIK AKTUELL |