| DEMONTAGEN :: Günther Rabl |
KLANGTURM |
| Der sogenannte Klangturm in St.Pölten ist ein mahnendes Beispiel dafür, wie wichtig
es wäre, dass eine direkte Kommunikation zwischen den öffentlichen Stellen und den Kunstschaffenden
stattfindet. Der peinliche Missgriff, dass man gleich zu Beginn eine zumindest in europäischen
Fachkreisen als Hochstaplerin und Plagiatorin berüchtigte Person mit der Leitung des Klangturmes
betraut, wäre zu verhindern gewesen, hätte die musikalische Öffentlichkeit rechtzeitig davon
erfahren, oder noch besser, hätten die Kunstschaffenden des Landes ein Mitspracherecht dabei, welche
Kuratoren ihnen vor die Nase gesetzt werden. Im Nachhinein, vor vollendete Tatsachen gestellt, ist da
nicht mehr viel zu machen. (Die Sache wirft auch ein ungünstiges Licht auf Methoden wie die, einem
hochrangigen deutschen Kulturmanager die Gestaltung der Kulturlandschaft zu überlassen, der dann in
völliger Kontaktlosigkeit zur hiesigen Musikwelt und dementsprechender Ahnungslosigkeit für viel
Geld ausgerechnet so eine Fehlbesetzung empfiehlt). Diese Ära wäre nun glücklich vorüber und die Leitung des Klangturmes wurde neu strukturiert und neu besetzt. ".....die audio art wurde inzwischen von der neuen elektronischen Musik abgelöst - und die ist sehr bedeutsam geworden", meint dazu der frischgebackene künstlerische Leiter des Klangturmes in einem Interview in einer lokalen Wochenzeitung und ruft bei der Gelegenheit zur Abwechslung einmal auch gleich ein neues Zeitalter aus. Abgesehen davon, dass man 'neu' als Epitheton getrost endgültig der Waschmittelwerbung überlassen kann, bezeichnet 'neue elektronische Musik', sofern damit überhaupt etwas gemeint sein will, einen Musikstil, der aus den Überresten der Techno-Welle der Neunzigerjahre hervorgegangen ist und sich heute trendy fühlen darf, weil seine Wurzeln einmal im Trend lagen. 'Audio art' dagegen, sofern damit überhaupt etwas gemeint sein soll, bezeichnet einen eigenen künstlerischen Bereich, eine Gattung, die im Schnittpunkt von Musik, bildender Kunst, Architektur und Medienkunst beheimatet ist. Ob sich nun der Klangturm bisher tatsächlich der audio art gewidmet hat, kann ich nicht beurteilen. (Ich habe ihn erst betreten, nachdem ihn dessen vorige Kuratorin definitiv verlassen hat). Dass aber eine künstlerische Gattung von einem stilistischen Trend abgelöst werde, ist nicht gut möglich - es sei denn im Schichtwechsel programmgestalterischer Willkür. Die Betreiber des Klangturmes, auf deren ausdrücklichen Wunsch nach der 'neuen elektronischen Musik', wie man weiss, die Besetzung der neuen Leitung zurückzuführen ist, sind sich möglicherweise nicht bewusst, dass sie damit von vorneherein einer rüden ästhetischen Ausgrenzung Vorschub leisten. Sie, sowie deren Auftraggeber, sollten sich aber zumindest im Klaren darüber sein, dass in einer Mediengesellschaft die Förderung eines Trends aus öffentlichen Mitteln ungefähr so viel Sinn macht, wie im Strassenbau das Tiefergraben von Schlaglöchern. Und sie sollten wissen, dass es Kunstschaffende aller Altersklassen gibt, die sich manieristischen Trends auch dann nicht anbiedern, wenn dort nachweislich das grosse Geschäft winkte. Alles in allem : Wir haben noch immer keinen Klangturm. © Günther Rabl 2001 |
Klangturm St. Pölten |