DEMONTAGEN :: Günther Rabl

ANTWORTEN auf Zuschriften im Rahmen der Demontagen


>> Antwort aus dem Weinviertel (2.10.2001)

Sie haben da ja offenbar einiges in die falsche Kehle bekommen !
Woraus glauben Sie schliessen zu müssen, dass ich entweder die ' völlige Käuflichkeit der Kunst' fordere, oder deren 'grenzenlose Beliebigkeit' ? Woraus, dass ich Beiträge zum Festival für 'wertloses Kulturschaffen' halte 'und daher nicht zeigenswert' ?? Für Ihre 'Hoffnung auf eine auch in Zukunft anregende, kontroversielle, auch polemisch geführte aber immer spannende Diskussion' seh ich schwarz, wenn Sie nur wie ein Abhörautomat auf Reizworte reagieren und diese nach Belieben in einen Ihnen geläufigen Kontext stellen ! Ihre Ansicht über künstlerische Freiheit ist allerdings kurios: 'Der Künstler hat die Freiheit des künstlerischen Ausdruckes. Der Konsument, das Publikum, der Veranstalter, der Geldgeber hat die Freiheit, das künstlerische Produkt nicht anzunehmen.' Das nenn ich Mut zum Idyll ! Das Publikum, das hier wie ein Fabelwesen inmitten der ernsten Grössen einer subventionierten Marktwirtschaft steht, ist in der glücklichen Lage, gar nicht wissen zu müssen, was da alles in seinem Namen abgelehnt wird ! Sehr aufschlussreich scheint mir aber eine andere Bemerkung von Ihnen, nämlich der Eindruck, den ich, wie Sie sagen, erwecke, 'auf alles und jeden hinschlagen zu wollen, der in Niederösterreich künstlerisch arbeitet'. Schon längst ist mir nämlich der Verdacht gekommen, dass einige dieser Gelegenheitsmacher und -verhinderer, an denen anzustreifen in einer Kulturkritik leider nicht zu vermeiden ist, sich womöglich selber für Künstler halten. In mehr als einem Fall ist es offensichtlich: Grossartige Ideen, aber leider nix Gscheites gelernt, um sie zu verwirklichen. Was kann man da noch werden, ausser Kurator oder Festivalintendant ? - während sich die tatsächlichen Kunstschaffenden, die allemal selber wissen was sie zu tun haben, zu Handlangern für grosse Ideen und Themen degradiert sehen: Kreatives Proletariat ....
Grüsse aus dem Waldviertel !


>> Manchmal möcht ich den Rollbalken runter lassen und dem Banausenland den Rücken kehren ... (23.10.2001)

Lieber Peter,
'Banause' kommt aus dem Griechischen und heisst nichts weiter als Handwerker. Das Wort wurde in der Antike häufig abfällig gebraucht, ungefähr wie unser heutiges 'Prolet'. In diesem Sinne würde ich sagen: Ach, wär' das doch ein 'Banausenland'. Jedenfalls freue ich mich jedesmal, wenn ich an der Abzweigung an Deiner grossen Skulptur vorbeifahre darüber, dass es auch unter so widrigen Bedingungen noch echte 'Banausen' gibt - nämlich Leute, die ein Handwerk, eine 'Kunst' beherrschen (denn auch das wurde in der Antike nicht unterschieden).
' Eine kleine Geschichte zu meinem "Professor XXX"... Vor ein paar Jahren war er in irgendeiner Zeitung. Im Artikel jammerte er, dass zu wenig Geld da sei in seinem Haus, er könne nicht einmal mehr Kataloge für seine Künstler drucken...... Am Foto stand er neben einem zu einem Turm aufgeschlichteten Haufen, bestehend aus dünnen Künstlerkatalogen,...so weit, so gut und gar nicht schlecht. Aber, jetzt kommt`s, was glaubst du hat er dabei in den Händen und in die Kameralinse gehalten? Einen waschbetonplattengroßen Prachtkatalog mit seinem Konterfei, - eine Ausgabe zu seinem Präsidenteneinstand.'
Da würde ich mir keine grauen Haare wachsen lassen. Das ist, soweit ich das aus der Entfernung (und ohne zu wissen, wer mit "Professor XXX" gemeint ist) beurteilen kann, ganz normales Machtspiel. Macht demonstriert man bekanntlich dadurch, dass man offenkundige Widersinnigkeiten ungehindert behauptet. (Ein alter, längst vergessener Engländer nannte das einmal 'Zwiedenken'). Dieser Fall hat aber doch sogar sein Gutes: nämlich Deine grandiose Wortschöpfung 'waschbetonplattengrosser Prachtkatalog'. Ich werde mir erlauben, das fortan als eine generelle Metapher zu verwenden - nämlich überall dort, wo es wie immer leider kein Geld gibt, seltsamerweise aber dennoch einen 'waschbetonplattengrossen Prachtkatalog'.
Herzliche Banausengrüsse !


>> Liebeserklärung (6.11.2001)

Lieber Johannes,
Du bringst mich in ARGE Verlegenheit ! Verlange bitte nicht von mir, dass ich aus Gegenliebe mein Lehrgeld zweimal zahle ! Ich bin ganz sicher nicht mehr bereit mit Leuten wie dem Herrn X. 'Gespräche' zu führen, geschweige denn, Gespräche anzubieten - nämlich darüber, ob Herr X. geneigt ist, Aufführungen unserer Musik in der Minoritenkirche zu befürworten (Tun tut der ja sowieso nichts dafür, ausser das Geld, das wir auch so bekommen müssten, durchzuschleusen und etwas für sich davon abzuzwacken). Allenfalls wäre ich bereit, zusammen mit unserer Kollegenschaft Gespräche darüber zu führen, ob Herrn X. die Kuratel über die Minoritenkirche und über die zeitgenössische Musik übertragen werden solle. (Mein Votum dazu dürfte klar sein ...). Das ist ja schon wieder so eine Nacht- und Nebelaktion der Landesregierung. Hat uns irgendjemand gefragt ? - oder auch nur informiert darüber ?? Ich glaube die Problematik schon zu verstehen. Die haben da irgendwelche sitzengebliebenen Griessknödel von pragmatisierten Beamten, die ein ganzes Ressort blockieren (zeitgenössische Musik zum Beispiel) und die man nicht los wird. Um nicht noch weitere solche Posten zu schaffen, ist man auf die Idee gekommen, die Kompetenzen auszulagern und Privatpersonen und Institutionen mit den verschlampten Aufgaben zu betreuen. Für uns heisst das aber nur, dass wir zu den pragmatisierten Griessknödeln jetzt auch noch nichtpragmatisierte Griessknödel bekommen, die uns die Wege versperren und gegen die wir nicht ankönnen. Ich denke, wir sollten nicht lockerlassen darauf zu bestehen, dass die ihre Probleme selber lösen. Schliesslich helfen sie uns ja auch nicht beim Komponieren ! Die Landesregierung muss ein funktionierendes Ressort für zeitgenössische Musik zusammenbringen - das wissen sie ganz genau. Und dann braucht keiner mehr solche unnötigen 'Filialleiter' von Kuratoren/innen, die ihre Kenntnisse vom Kunstschaffen der Welt ja doch nur aus der Regenbogenpresse beziehen ....
bis gleich !


up

© Günther Rabl 2001
Dieser Text versteht sich als literarisches Kunstwerk.
Zitierung im Sinnzusammenhang mit Quellenangabe bis auf Widerruf gestattet.
Jedwede Änderung der Schreibweise und Interpunktion, insbesondere in Bezug auf die 'neue deutsche Rechtschreibung', ausdrücklich verboten.