BETRACHTUNGEN :: Günther Rabl :: Unwahrhaftigkeit

Sie spielen ein arges Spiel mit uns Künstlern : Solange wir uns unter Aufbietung aller Kräfte bemühen, in allen Dingen, auch den belanglosesten, wahrhaftig zu sein, gewähren sie wenigstens den Respekt, den sie vor unverständlichen, aber als harmlos geltenden Narren haben. Lässt man sich aber auch nur die kleinste Unaufrichtigkeit zuschuldenkommen, behandeln sie einen sofort als Ihresgleichen, das heisst : ohne Respekt. (Nach dem Motto: Der lügt ja, folglich ist er einer von uns, der braucht gar nicht so tun, als wär er was besseres ...)
Die kleinen 'Unwahrhaftigkeiten' entstehen aber, sobald man beginnt, sich nicht mehr um jeden Dreck zu kümmern. Die meisten alltäglichen, amtlichen, bürokratischen Auseinandersetzungen sind ja auf der Ebene, auf der sie sich stellen, überhaupt nicht zu behandeln. (Das Einlassen auf die in ihnen dargebotenen Alternativen ist bereits unwahrhaftig). Man kann aber nicht im Umgang mit Beamten und Angestellten ständig Grundsatzdiskussionen führen. (Das wird selbst einem Heiligen irgendwann einmal zuviel, und er stirbt dann an Überlastung durch Mückenplage). Wenn man sonst noch was zu tun hat in der Welt, muss man die Dinge manchmal gröber behandeln. Sollen die Ärsche doch denken was sie wollen.







© Günther Rabl 2001
Dieser Text versteht sich als literarisches Kunstwerk.
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