BETRACHTUNGEN :: Günther Rabl :: Freier Raum

Wehmütig erinnere ich mich an die Zeit, in der mir der Unterschied zwischen Instrumentalmusik und Lautsprechermusik nicht deutlich war. Die ganze Welt der Klänge war mir ein einziges abenteuerliches Gewoge. Ich empfand Klänge intensiver, deren Mangel ich heute deutlich höre. Ja, ich gab mich willig ihrer Intensität hin, indem ich sie in Schleifen legte und hundertemale hörte, ihre 'ewige Wiederkehr' auf mich einwwirken lassend. Denn auch die Problematik der Wiederholung war mir nicht bekannt. Gelegentlich ahnte ich aber wohl etwas davon - wenn es nämlich galt, die Sequenz abzustellen.
Wie anders stehe ich heute der Klangwelt gegenüber ! Die Unendlichkeit ist nicht gewichen, im Gegenteil, sie hat sich vervielfacht durch immer neue Richtungen. Es muss dem Menschen so gehen, der den freien Weltraum gewinnt, die Sicherheit des Erdbodens aber dafür lassen muss. Die Bewegungen sind nun mannigfaltiger, gewiss, aber sie müssen auch genauer sein, denn jede Drift führt in einen Abgrund.
Bisweilen sehne ich mich nach dem blühenden unendlichen Erdental meiner musikalischen Kindheit. Aber wer den freien Raum erobert hat, für den gibt es kein Zurück: Der freie Raum hat ihn erobert.







© Günther Rabl 2001
Dieser Text versteht sich als literarisches Kunstwerk.
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