| BETRACHTUNGEN :: Günther Rabl :: Ferne Klänge |
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Klänge sind die "Bilder" der Akustik. Gibt es nahe und ferne Bilder (ich meine, "Bild" als Sinneseindruck, nicht als Gegenstand, den man an die Wand hängt) ? - Nein, natürlich nicht. Gibt es nahe und ferne Klänge ? - Genausowenig. Ein Klang ist immer nah, hautnah, sonst würden wir ihn nicht wahrnehmen. Oder, genauer gesagt, es gibt sie vielleicht doch - die "fernen Klänge": es sind ganz einfach die, die unser Ohr nicht, oder noch nicht erreichen. Der Sprachgebrauch kürzt die Sache freilich ab. Mit einem "fernen Klang" meint er einfach einen, der von weit herkommt, dessen Ursache oder Epizentrum weit entfernt ist. Belassen wir ruhig den Sprachgebrauch, aber seien wir uns seiner Bedeutung bewusst. Also, was ist nun das Wesen eines solchen "fernen Klanges", eines, der von weit her kommt ? Wodurch unterscheidet er sich von einem "nahen" ? Durch seine Entfernung ? - Das gilt nicht ! Wir wissen ja, dass er in jedem Fall nah ist, wenn wir ihn hören. Der Unterschied muss also in seiner Erscheinung liegen, in seiner Gestalt. Und so ist es auch. Der Klang verändert sich auf seiner Reise. Er gibt ab, aber er nimmt auch auf. Die Wellen, die eigentlich sein Wesen ausmachen, sie teilen sich auf ihrer Wanderschaft und sie vereinigen sich mit anderen Wellen. Denn auch das ist eine Eigenschaft von fernen Klängen, dass sie in sich schon sehr viel mehr tragen, als mit einem einzigen Ursprung erklärbar ist. |
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© Günther Rabl 2001 |